nenie

" Auch das Schöne muß sterben!
Das Menschen und Götter bezwinget,
Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus. (...) "
(Schiller, 1903: 234)

So beginnt Schiller sein Gedicht zur Vergänglichkeit, entstanden 1799.

In meiner Arbeit "Nenie" (auch Nänie) beschäftige ich mich mit dem Zerfall und Niedergang der Kunstfigur
Friedrich Schillers.
Der Dichter wollte zu Lebzeiten Herr werden über das Stoffliche und sei es mit gewaltiger Anstrengung. So kämpfte schon in jungen Jahren mit Krankheit und nahendem Tod. Das blaue Portrait Schillers stützt sich auf textliche und grafische Überlieferungen und geht in seiner Formulierung darüber hinaus: es dekonstruiert das Bild einer Person, welche im Zuge der Geschichte als Genie gefeiert und aber auch für politische Zwecke instrumentalisiert wurde.
In meiner Interpretation wächst der Oberkörper des Dichters aus einer Schublade, welche voller Äpfel ist. Der Geruch fauler Äpfel soll Schiller als Inspirationsstütze gedient und überall in seinem Arbeitszimmer umher gelegen haben. Sein blaues Bildnis zerfließt indem Tropfen von seiner Denkerstirn
hinab rinnen.

" (...) Siehe, da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,
Daß das Schöne vergeht, daß das Vollkommene stirbt. "
(Schiller, 1903: 234)
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Friedrich von Schiller (1903):
Gedichte von Friedrich Schiller, Reclam, Leipzig, 234

AngelikaStephanieBoehm_Nenie_k

Nenie, 2012,
Kohle, Acryl auf Baumwolle und Wand,
145 x 120 cm

Foto copyright
Alexander Kerschner